Geburt von «almost blue»
Du gehst ahnungslos durch die Fußgängerzone. Plötzlich denkst du, irgendwas ist heute mit der Schwerkraft nicht in Ordnung: Du hebst praktisch bei jedem Schritt ab. Du kannst nur noch hüpfen, gehen geht nicht. Die Leute links und rechts laufen weiter, als ob nichts passiert wäre. Du kannst gar nicht aufhören, glücklich zu lächeln. Du denkst an ihn. Oder an sie. Schon mal passiert? Ich hoffe. Sonst drücke ich die Daumen.
Ich bin dann schnell nach Hause gehüpft und habe in gefühlten fünf Minuten die Diagnose auf einen Zettel geschrieben: "you do that to me" und aufgezählt, was "that" alles ist. In der sechsten Minute fiel mir dann auf, dass alles einmal zu Ende sein wird und dass nicht nur Haare wunderschön blauschwarz sein können, sondern auch die Stimmung.
Zwischen Minute fünf und sechs ist noch viel passiert. Der Text sang mir erst mal seine Melodie vor. Dann wollte das vorlaute Stück plötzlich bei zwei Liederabenden gesungen werden, obwohl ich erst gar nicht dafür war. "Gibt's da eigentlich eine Aufnahme?" höre ich, nachdem meine Knie zu zittern aufgehört haben. Ich habe ein Jahr tief Luft geholt, viel um Hilfe gerufen, noch mehr Hilfe bekommen und hier ist sie: Almost blue.
emgee 19. März 2006